Sich aus einem Beruf wie "Busfahrer" selbstständig zu machen, klingt fast unmöglich – zumindest, ohne einen eigenen Busbetrieb zu gründen. Doch das Wort "unmöglich" kenne ich nicht. Für mich waren bisher immer alle meine Träume erreichbar, solange ich fest genug daran geglaubt habe.
Kreativität von klein auf
Mich fasziniert wahnsinnig viel – Fahrzeuge aller Art: Autos, Lkws, Busse, Flugzeuge, Helikopter. Dass ich mich für den Beruf Busfahrer entschied, war eher Zufall: Ich lernte ein paar Busfahrer kennen und fing plötzlich an, mich für den Job zu interessieren. Bezahlt werden, um aus dem Fenster zu schauen und durch die eigene Stadt zu cruisen? Klang für mich einfach cool. Also begann ich am 1. August 2023 die Ausbildung zum Berufskraftfahrer.
Den Traum vom eigenen Unternehmen hatte ich aber schon viel länger. Seit ich denken kann, bin ich bei allem, was ich mache, äußerst kreativ – kaum eine Idee, die ich nicht mal ausprobiert und wieder verworfen habe. Eigenes Geld zu verdienen fand ich schon früh spannend, egal ob mit Aktien, eigenen Produkten oder virtueller Arbeit.
Mit etwa 12 Jahren fing ich an, Videos zu produzieren, Bilder zu bearbeiten, mich mit 3D-Modellierung zu beschäftigen und – eher erfolglos – kleine Mini-Spiele zu programmieren. Bereits in der 7. Klasse wusste ich: Ich werde später mal etwas Selbstständiges machen. Was genau, wusste ich nicht – aber der Gedanke setzte sich fest: "Ich bin kreativ, mir wird schon etwas einfallen." Er ist all die Jahre geblieben.
Die ersten Schritte in die Selbstständigkeit
Nach dem Fachabitur arbeitete ich zwei Monate in der Logistik eines großen Konzerns und machte nebenbei meinen Pkw-Führerschein – ein Meilenstein, der mir Freiheit verschaffte. Mein erstes Gehalt ging direkt in Aktien.
Am 1. August 2023 startete ich meine Busfahrer-Ausbildung und meldete am selben Tag mein Gewerbe an. Die Idee dahinter war simpel: eine Kaffeetasse mit Bus Motiv, finanziert aus meinem ersten Ausbildungsgehalt. Es ging mir nie ums große Geld – ich wollte einfach die Logistik hinter einem eigenen kleinen Business erleben: eigenes Lager, eigener Etikettendrucker, eigene Bestellungen.

Wie aus einer Tasse ein Modellbus-Shop wurde
Nur wenige Wochen später entdeckte ich meine Faszination für Modellbusse. Eigentlich wollte ich nur selbst welche kaufen – doch daraus wurde die Idee für meinen Shop. Erste Modelle gingen an Freunde, dann kamen Kunden über meine Social-Media-Kanäle, auf denen ich bis heute Videos rund um Shop und Busfahrer-Alltag mache. Mittlerweile habe ich dort über 75.000+ Follower.

Mir war früh klar: Ich wollte kein gewöhnlicher Modellbus-Shop sein, sondern ein echtes Alleinstellungsmerkmal haben. Also spezialisierte ich mich auf besonders seltene Modelle, die bei anderen Händlern längst ausverkauft waren – eine Nische, die zum entscheidenden Wachstumstreiber wurde. Ich investierte fortan täglich stundenlang in die Produktsuche, bis aus einem Lagerregal irgendwann zwei überfüllte wurden, mit über 500 Modellbusse.

Zwischen Vollzeitjob und wachsendem Unternehmen
Die ersten zwei Jahre lief der Shop nebenbei, mit wenigen Stunden pro Woche. Das änderte sich: Aus dem entspannten Hobby wurde ein echtes Unternehmen mit Buchhaltung, Steuern und Marketing zusätzlich zu Packen, Produktsuche und Kundensupport.
Besonders in den letzten Monaten meiner Ausbildung wurde die Doppelbelastung spürbar. Ein typischer Tag: morgens 10–20 Bestellungen verpacken, neue Modelle vom Postboten entgegennehmen und vorbereiten, dann direkt zur Arbeit – gedanklich schon beim nächsten Schritt im Shop. Abends folgten Umsatzsteuervoranmeldung, Bankumsätze und neue Modelle einstellen. Mit einer Vollzeit-6-Tage-Woche als Busfahrer war das auf Dauer nicht mehr zu stemmen.
Der Abschied vom Busfahrer-Beruf
Meine Ausbildung habe ich mit gutem Notendurchschnitt bestanden. Fünf Monate später fiel die Entscheidung, den Beruf Busfahrer aufzugeben. Das Fahren selbst hat mir viel Spaß gemacht – doch beides gleichzeitig mit der nötigen Sorgfalt zu betreiben, war nicht mehr möglich.
Rückblickend war es die richtige Entscheidung. Nichts macht mehr Spaß, als von zuhause aus zu arbeiten, jeden Tag mit einem Lächeln aufzuwachen und meine volle Kreativität in diesem Shop auszuleben.